Solarenergie, Batteriegroßspeicher, Ladeinfrastruktur und nachhaltiger ÖPNV im ländlichen Raum
Das Land Rheinland-Pfalz und die Verbandsgemeinde Birkenfeld (VG-Birkenfeld) sind daran interessiert, den bisher erfolgreichen Weg des Umwelt-Campus Birkenfeld (UCB) fortzusetzen und den Campus als innovativen und autarken Standort für angewandte Forschung weiterzuentwickeln. Hierfür sind vor allem die großen PV-Potenziale und der bereits begonnene Ausbau von Solar-Carports eine wichtige Voraussetzung. Als Klimaschutz-Modellprojekt ist eine ganzjährige Versorgung des Standortes mit lokal produzierten erneuerbaren Energien geplant.
Das Klimaschutz Modellprojekt „Solar-Move" verfolgt daher die ganzheitliche Optimierung der Stromversorgung am Umwelt-Campus Birkenfeld. Im Kooperationsprojekt zur Sektorenkopplung soll durch die Zusammenarbeit der Verbandsgemeinde Birkenfeld (Mittelempfänger des NKI-Projekts) und dem Hochschulstandort Umwelt-Campus Birkenfeld (Nutzer der Liegenschaft und Pächter der von der NKI geförderten technischen Einrichtungen) Klimaschutz in der stationären und mobilen Stromverwendung erreicht werden.
Dabei steuert der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung Rheinland-Pfalz (LBB, Träger der Liegenschaft) zu diesem Vorhaben die Errichtung zahlreicher PV-Carports, einiger PV-Aufdachanlagen sowie einen Batteriespeicher bei (insgesamt ca. 870 kWp PV-Anlagen und ca. 800 kWh Batteriespeicher). Gleichzeitig erfolgt über den LBB ein Umbau der gesamten elektrotechnischen Infrastruktur (Mittelspannungsnetz, Transformatoren, Unterverteilungen), mit dem Ziel rechtlich und technisch gesehen eine Anlage zur „Betrieblichen Eigenversorgung" zu etablieren. Die Ausschreibungen hierzu sind bereits erfolgt, die Fachplanung ist derzeit in Bearbeitung und die Bauarbeiten der Carports haben im März 2026 begonnen.
Der Umwelt-Campus Birkenfeld liegt am „Eingangstor" zum Nationalpark Hunsrück Hochwald und an der Bahnlinie Frankfurt-Saarbrücken, weshalb der Standort auch für den ÖPNV in der Region strategisch wichtig ist. Derzeit wird die Nationalpark-Route durch Dieselbusse abgedeckt; ein Umstand, der durch die Hilfe des Klimaschutzmodellprojekts geändert werden soll.
Das Vorhaben des LBB und das beantragte Modellprojekt ergänzen sich dabei ideal. Durch die im NKI-Projekt geförderten Komponenten lassen sich die PV-Überschüsse im Zuge der Sektorenkopplung im regionalen ÖPNV nutzen, was insbesondere der bisher fossil betriebenen Nationalpark-Route zugutekommt (weniger CO₂ und Schadstoffe in besonders schützenswerten Bereichen).
Die beantragte Infrastruktur soll an das bereits etablierte Energiemanagementsystem des Umwelt-Campus angeschlossen werden. Das Energiemanagementsystem betreibt eine Form der hierarchischen Verwaltung des Zugriffs auf die Ressource „Stromleistung". Während beim Beladen von Elektro-Fahrzeugen dem Strom aus PV stets Vorrang vor Strom aus Campus-Residuallast eingeräumt wird und der Batteriespeicher erst als letzte Reserve genutzt wird, genießt der zusätzliche Batteriespeicher sofortigen Vorrang beim Wiederaufladen, sobald dafür wieder überschüssige bzw. verfügbare PV- oder Campus-Residuallast zur Verfügung steht. Hierbei wird ebenso dem PV-Strom Vorrang gewährt, um eine möglichst hohe Eigennutzung der umweltfreundlichen PV-Stromerzeugung zu ermöglichen.
Die Einbettung der neu geplanten PV-Anlagen, des neuen Batteriespeichers und der Ladeinfrastruktur in dieses System, ermöglicht eine maximale Nutzung des PV-Stroms vor-Ort und die Kopplung mit Mobilitätsanwendungen. Durch die Einbettung in das Energiemanagementsystem soll gezeigt werden, wie ein ländlicher Standort mit hoher Energieproduktion und hohen Spitzenlasten elektrischer Energie, unter Einbeziehung lokaler Potenziale, Energiebedarf und Mobilität klimaneutral gestalten kann.